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Rette mich, wer kann! - Twittermania

Da kommt einer daher und kippt einen Eimer Rotz und Scheisse ueber Twitter. Das waere ja soweit noch akzeptabel, wenn dabei nicht soviel auf die Nutzer selbigen Webdienstes (nun habe ich also ein Wort dafuer) spritzen wuerde. Mit hochgestochenem Modegeschwafel (wer nimmt schon das Wort "Hype" in die Tastatur?) geht es gegen Blogger wie Du und der Andere. Ohne eigene Twitter-Erfahrungen, versteht sich.

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"Twitter ist ein Freudenfest für Selbstdarsteller und Voyeure - beide bilden eine symbiotische Einheit. Die Selbstdarsteller posten blitzschnell was sie gerade machen und andere können diesen wirklich zeitraubenden Unsinn dann konsumieren. Sorry, aber es interessiert mich null die Bohne, wenn jax63 gerade einen Wrap verputzt, während er noch 4 Stunden auf seine Schicht in der Bibliothek warten muss oder dass NickStarr gerade dunkle M&Ms futtert und dabei doch gar nicht auf dunkle Schokolade abfährt."

"Aber was da gerade abgeht ist wirklich Dissocial Network pur, das digitale Aneinandervorbeiplappern, immer in der Hoffnung, ein anderer nimmt mein Geplapper zwischem seinem Geplapper für den Bruchteil einer Plapper-Sekunde wahr.

Twitter zeigt uns die merkwürdige Randkruste des Web 2.0. Ein von außen betrachtetes Sammelbecken einsamer, oberflächlicher und mit Aufmerksamkeitsdefiziten überhäufter Netzidentitäten, die weder Partner, Freunde, Familie oder Beruf zu haben scheinen. Sie haben wohl auch niemanden in der Nähe oder in IM-Reichweite, den es gerade interessieren könnte, ob sie in der Nase popeln, Pipi machen oder ihre Arbeitspause gerade nutzen um zu posten, dass sie gerade eine Pause machen."

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Ob ihm klar ist, dass er dabei - wahrscheinlich unbewusst - das alte Thema der Blogdefinition wieder einmal auf den Cybertisch bringt? Wer sagt, wie ein Blog aussehen soll? Wozu es dienen soll? An wen es sich zu richten hat?

Wieviele Leute WOLLEN genau diese Fast-Chat-Bloggerei? Wieviele Leute legen sich ein Weblog zu, wenn sie sich fuer ein paar Monate in einem anderen Land aufhalten, um ihre Leute auf dem Laufenden zu halten, ohne Massenmails in die Welt zu versenden? Ein Tagebuch, und zwar ein persoenliches, das ist es, was viele Blogger immer noch unter dem Ziel ihrer Internetaktivitaeten verstehen. Und wenn da jemand jeden Tag ein anderes Bluemchenfoto abbildet oder jeden Tag ein Foto mit dem Huendchen - sind das inakzeptable Blogger? Laecherliche, spiessige, nicht tolerierbare?

Mit der Toleranz scheint es nicht weit her zu sein beim Werbeblogger. Das kann aber passieren, wenn man selbst genau das tut und ist, was man anderen als negativ vorwirft. Naja, wenn man aufgrund seiner Leserzahlen in den erlesenen Kreis der erfolgreichen Blogger aufsteigt, kann schon der eine oder andere Verblendungseffekt auftreten. Zumindest haelt der Werbeblogger nicht mit seiner eigenen Philosophie bezueglich einer Blogabsicht hinterm Berg: "Gibts da [bei Twitter] was umsonst oder sogar Geld?"

Um ein wenig zu argumentieren, benutze ich einfach meinen eigenen Fall. Ich probiere Twitter gerade aus und habe noch keine fundierte Meinung. Muss man die ueberhaupt haben? Ein wichtiger Teil meiner Bloggerei jedenfalls ist mein Sohn mit Down Syndrom. Viele Freunde und Familienangehoerige verfolgen aufmerksam, was da vor sich geht. Und ich kann mir eine Menge Situationen und Momente vorstellen, in denen ich eine kurze Twitternotiz einem "echten" Blogartikel vorziehen wuerde.

"Muessen ins Krankenhaus."

"Sind jetzt im Krankenhaus. Hohes Fieber."

"Jetzt wieder zu Hause. Alles ok. Erstmal schlafen."

Mir fallen endlos Beispiele ein. Ein Sportblogger zum Beispiel, der, bevor er sich ausfuehrlich ueber ein event aeussert, erstmal Stichpunktmeinungen abgibt. Aktueller, live. Ein Politikblogger, der eine Wahl in Tickerform begleitet, bevor er seinen eigentlichen Artikel schreibt. Ein Werbeblogger, der einen Anti-Twitter-Artikel via Twitter ankuendigt, bevor er ihn auf die Bloggerwelt niedersausen laesst. und, und und........

Mit der Toleranz scheint dem Werbeblogger auch die Phantasie verloren gegangen zu sein. Oder hat er sich zu sehr auf die Basisfrage - fast slogan zu nennen - bei Twitter konzentriert? Die Frage nach dem, was man gerade tut? Es stecken doch ganz andere Moeglichkeiten in diesem blog-in-blog-System! Das ist sogar mir schon klargeworden. 

Sei´s drum, zu Twitter an sich werde ich mich zum gegebenen Zeitpunkt auslassen. Aber an Patrick: Das war meines Erachtens ein Griff ins Klo! Ein ganz tiefer. Zu viele Leute hast Du mit Deinem Artikel angepisst. Gegen Produkte - und Twitter ist ein "Produkt" - darfst Du Deinen Analabfluss so oft und so stark Du magst oeffnen. Da bekommst Du es hoechstens mit den legalen Verarschungstaktikern desselben zu tun. Was Du allerdings mit den Nutzern dieser Produkte machst - in diesem Falle schliesst das sogar einige Deiner eigenen Leser ein - da waere ich etwas vorsichtiger.

Abschliessend: Du hast zuerst gepisst. Ich hab mich angesprochen gefuehlt. Und hier gilt "Wo was zum Blotzen ist, wird gekoggt!"

Wenn auch in diesem Fall mit Samthandschuehen.

15.3.07 06:06
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Patrick Breitenbach / Website (15.3.07 16:06)
Ich habe die angepisst, die sich scheinbar angepisst gefühlt haben. Das tut mir leid wenn ich jemanden dadurch persönlich verletzt habe. Das kann aber auch nur dann passieren wenn man sich unter die beschriebenen Eigenschaften einordnet. Habe ja extra betont dass der Eindruck entsteht ich aber viele User des Dienstes kenne die dem Eindruck nicht entsprechen. Also zieht euch den Schuh doch nicht an.

Mag sein, dass Twitter so revolutionär wie SMS schreiben ist. Schön. SMS habe ich auch nie verstanden (also schon was man damit machen kann und dass alle es nutzen). Es gibt ja auch diese komischen Fernsehsendungen wo man SMS schicken kann und dann wird das gezeigt. Versteh ich auch nicht warum das rennt. Verstehe auch nicht die Klingeltonsache oder Gewinnspiele auf 9Live. Bin ich deshalb intolerant oder nur deshalb weil ich einige dadurch getroffen habe, die sich von oben beschrieben Dingen eigentlich abgrenzen möchten?

Der Vergleich zu Blogs hinkt übrigens gewaltig und ist ein Verzweiflungsargument. Ich kann ja die Bildzeitung trotzdem doof finden und gleichzeitig die SZ gut. Das eine schließt das andere nicht aus und trotzdem ist die Bildzeitung einer der erfolgreichsten Medien.

Blogs sind nunmal auch Meinungen und damit habe ich in diesem Fall nicht vorm Berg gehalten und mich bewusst der Stilistik eines "rotzens" gehalten. Wie man sieht habe ich vielleicht nicht nur Leser gegen, sondern auch für mich mobilisiert, denn viele haben aufgeatmet, dass sie in einer Web2nulligen Welt auch mal was doof finden dürfen, ohne gleich als intolerant dargestellt zu werden.

"Ich bin tolerant. Ich grüße den Böhm obwohl er mein Nachbar ist." Gerhard Polt

Also wo endet Toleranz und wo beginnt die Meinungslosigkeit?


rolandmex / Website (23.3.07 19:56)
Was man nicht twittern sollte...

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